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Wenn jeder jeden verrät
In Ett ufo gör entré
(etwa: Ein Ufo betritt die Szene) aus dem Jahr 2001 kehrt
Jonas Gardell zu Juha, Jenny und den anderen Kindern von Sävbyholm
aus Ein Komiker wächst heran (1992) zurück.
Die 70er Jahre sind fast vorbei, die 80er stehen an.
Es ist das Jahr der Atomkraftdiskussion,
der Disco und John Travolta, des Punks und der Sex Pistols.
Juha und seine Klassenkameraden sind inzwischen fünfzehn
und haben bald die neunjährige Grundschulzeit hinter sich.
Stück für Stück wird die Erwachsenenwelt erobert:
man raucht heimlich hinter der Sporthalle, betrinkt sich besinnungslos,
lügt das Blaue vom Himmel, wenn es um die eigenen sexuellen
Erfahrungen geht und sitzt mit verschlossener Tür im eigenen
Zimmer mit dem Spiegel im Schoß und versucht zu verstehen,
wer zum Teufel man eigentlich ist.
Es ist nicht leicht, Teenager zu sein.
Juha stellt seine eigenen Regeln auf, z.B. die, dass die Wahrheit
zu sagen, so zu lügen heißt, dass die Leute einem
glauben.
Jenny und Juha werden nach wie vor gemobbt
und gehören immer noch nicht dazu - außer Juha lädt
zu Zigaretten und Alkohol ein; und wenn er Jenny verleugnet,
was er tut, wenn die anderen ihn darum bitten. Obwohl Juha und
Jenny praktisch wie Geschwister aufgewachsen sind, verschwindet
Jenny Stück für Stück für Juha und die anderen,
bis sie so unsichtbar wird, dass sie es kaum mehr wert ist,
gemobbt zu werden.
Juha versucht verzweifelt, akzeptiert
zu werden, dazu zu gehören. Doch alles scheint vergebens.
Er ist nichts. Über seine Witze will niemand mehr lachen.
Er ist nur derjenige, der über die Witze der anderen lachen
soll und dessen Zigaretten man raucht.
Doch am Ende, wenn Juha alle Opfer gebracht
hat, alle Verrate begangen hat, die man begehen kann,
bleibt allen Verstellungen zum Trotz doch nur ein schwarzes
Nichts hinter der Maske. Eine echte Identität ist nicht
in Sicht. Jonas Gardell schreibt so, dass es einen schmerzt,
aber dazwischen kann man immer wieder auch lachen.
Ett ufo gör entré
ist die bitterböse Fortsetzung einer traumatischen Kindheit,
oft tragisch, traurig und grausam. Doch glücklicherweise
schaut der erwachsene Erzähler immer mal wieder in Reflexionen
vorbei wie aus einem Ufo, das schon viele galaktische Kämpfe
ausgefochten hat, und sich dennoch tapfer geschlagen hat. Das
macht Mut. Das macht Hoffnung, für alle, die sich jemals
in Juha Lindström wieder erkannt haben und noch wieder
erkennen werden.
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