Als die Porzelanelefanten aus dem Mahagonyregal fielen

Vill gå hem (Will nach Hause) ist die Geschichte von Rut und Rakel. Rut weiß, wie alles sein soll - dass man beispielsweise keine Angst vor dem Dunklen haben, sondern ein Licht anmachen soll. In Ruts Familie hat man auch den Schlüssel zur Toilette entfernt, denn es gibt nichts, für das man sich schämen müsste. Rakel dagegen ist hysterisch. "Dieser Mensch hat aber auch wirklich vor allem Angst", schnaubt Rut verächtlich.

Als Rakels Verhältnis zu ihrem geliebten Verner zerbricht, flieht sie zu Ruts Familie und richtet sich auf deren Sofa im Wohnzimmer häuslich ein. Im selben Augenblick, in dem Rakel ihren Fuß in das wohlgeordnete Heim setzt, fallen die Porzelanelefanten vom Mahagonyregal und der Krieg kann beginnen.

Zwischen den Schwestern steht Daniel - Ruts Sohn -, still und schüchtern, der Schlechteste beim Brennball, Werkkunde hassend und mit dem Blick bereits in eine andere, ferne Welt gerichtet.

Vill gå hem ist ein typisches Gardell-Buch. Treffsicher skizziert Gardell unser Zukurzkommen im Leben und unsere oft vergeblichen Bemühungen, etwas Ordnung ins Chaos zu bringen. Bei Rut ist alles perfekt: von den Porzelanelefanten im Bücherregal über das Essen, das für die ganze Woche vorgekocht und dann eingefroren wird. Die Kinder Daniel und Charlotte stehen wie deplatziert in diesem perfekt organisierten Haushalt. Weder von Rut, der stets anwesenden, aber sich nie kümmernden Mutter noch von Edmund, dem stets abwesenden Vater, erhalten sie Wärme.

Ruts kleine Schwester Rakel dagegen ist das genaue Gegenteil. Sie ist künstlerisch veranlagt - hysterisch, sagt Rut. Ihr halbes Leben hat sie in einem kleinen Haus auf dem Lande verbracht, zusammen mit ihrem geliebten Verner, den sie zwar abgöttisch liebt, doch der sie nicht liebt. Eines Tages kommt es zum Bruch. Weinend macht sich Rakel auf den Weg zur großen Schwester. Rut ist zufrieden. Genauso hatte sie es vorhergesehen.

Doch kaum betritt Rakel das Wohnzimmer, gehen die Porzellanelefanten zu Bruch. Und das ist erst der Anfang vom Ende der Ordnung in Ruts wohlgeordnetem Heim. Der Hass zwischen den Schwestern, die sich nie gut leiden konnten, bricht mit aller Macht auf.

Und damit ist Jonas Gardell wieder in seinem Element! Der Humor ist schwarz, die Geschichte beklemmend und traurig, doch in all dem Elend findet sich auch Wärme und die Hoffnung auf ein besseres Morgen.