Von der (Un-)Möglichkeit zu lieben

Warum sollte eine funktionierende Beziehung zwischen zwei erwachsenen, ungebundenen Menschen im reiferen Alter, die von Verlangen und plötzlicher Leidenschaft dort auf dem Friedhof befallen, ja geradezu überrumpelt, werden, nicht möglich sein?

Wahrscheinlich weil wir uns in einem Roman der großen, schwedischen Humoristin Katarina Mazetti befinden!

Der Kerl vom Land (1998, 2002 verfilmt) handelt von Desirée, Bibliothekarin, Witwe und mit kühlem Intellekt ausgestattet, und Benny, Landwirt. Während Desirées Wohnung so sauber ist, dass selbst Hyper-Allergiker dort wahrscheinlich gefahrlos ein- und ausgehen könnten, ist bei Benny nicht alles so perfekt organisiert und in Ordnung gehalten, doch die beiden wollen sich. Der Sex ist gut. Aber die Lebenswelten und Freundeskreise der beiden sind wenig kompatibel und so kommt es zu ersten Spannungen, Tränen und Streitigkeiten.

Humor und Spannung resultieren bei Der Kerl vom Land vor allem aus der antagonistisch aufgebauten Erzählperspektive: mal erzählt sie, wie sie die Geschichte sieht, dann wieder er, immer schön im Wechsel, sodass man jede Episode zweimal erzählt bekommt, aber aus anderer Perspektive - das ist nicht nur witzig, das ist auch sehr spannend, mitreißend und schwungvoll gemacht.

Damit hat Der Kerl vom Land alles, was es zum modernen Klassiker braucht: ein wichtiges, zeitgenössisches Thema, Humor, Spannung, aber auch Melancholie und ein ungewisses Ende. Ob sich Desirée und Benny nämlich am Ende kriegen oder nicht, lässt das Buch offen, was die Geschichte glaubwürdiger und authentischer macht als ein Happy End à la Hollywood.

Der Kerl vom Land ist ein wunderbares Buch über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Liebe im 20. und 21. Jahrhundert, über die Liebe "über Grenzen" hinweg, über Passion und den sehnlichsten Wunsch zweier Menschen, eine Liebesbeziehung zu haben und dessen tragisches Ende. Jeder, der jemals geliebt hat und auf diesem Planeten lebt, sollte es lesen!