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Eine Geschichte von der Sehnsucht nach Liebe und dem Sterben
der Sagen
Augustas Haus erzählt die Geschichte
von Augusta, Alice und Angelica, drei Frauen in drei
Zeiten. Vor allem aber ist Augustas Haus eine Geschichte darüber,
wie die Sagen und Legenden starben und was geschieht, wenn wir
gezwungen werden, ohne sie zu leben. Die Sagen bzw. das Sterben
der Sagen ist ein eigenes Kapitel in Augustas Haus. Auf ihrem
Weg in die Gesellschaft begegnet der Urahnin Augusta ein kleiner
Troll, der um Hilfe bittet. Es folgt ein Abschnitt voller Magie
und Mystik, ganz im Gegensatz zu Majgull Axelssons sonst so
realistischem Sprachstil. So trifft, wie es für Majgull
Axelssons uvre so charakteristisch ist, die scheinbar
eindeutige, reale Welt auf eine andere Welt, die irgendwo zwischen
Tag und Nacht, zwischen Heute und Gestern liegt.
Woher Augusta kommt, weiß niemand.
Nicht einmal sie selbst. Wenn sie guter Lauen ist, kann sie
behaupten, dass sie von einem Kartoffelfeld in Sörmland
stammt, dass sie in der Erde dort gelegen habe, bis sie ausgewachsen
war. Einige Jahre später ließ sie sich in Herräng,
einer kleinen Dorfgemeinschaft in Roslagen, mit ihrem unehelichen
Kind nieder. Noch wusste niemand, dass das eine Frau war, die
ihre Erzählungen in ihren Haaren trug
Alice ist Augustas Enkelin. Irgendwann
in den 50er-Jahren war sie ein wirklich feines Mädchen,
stets anständig gekleidet in gestärkten Kleidern mit
weißem Kragen. Doch als sie schwanger wird, helfen auch
die weißen Kragen nichts. Die tugendhafte Schwangerschaftskleidung
ist doch nur ein Dirnenkleid, das sie zwingt, mit gesenktem
Blick das Sprechzimmer des Provinzarztes zu sitzen. Sie ist
zu jung, um schon schwanger zu sein, gerade mal 16. Darum wird
sie zu Großmutter Augusta geschickt, um dort zu entbinden,
wo niemand ihre Schande sehen kann.
Für Angelica - Augustas Ururenkelin
- wird das Haus viele Jahre später zur einzigen Zuflucht.
Angelica ist erst 16, doch bereits des Lebens müde. Sie
ist seit ihrem zwölften Lebensjahr auf der Flucht vor ihrer
eigenen Familie und sie hat bereits mit mehr Jungs geschlafen,
als sie sich erinnern will. Nun will sie etwas anderes finden.
Die Frage ist nur, ob sie es sich trauen wird?
Den Frauen, Angelica ausgenommen, ist
gemein, dass sie schwanger werden. Dies beeinflusst ihr
ganzes zukünftiges Leben. Angelica ist unsichtbar in den
Augen ihrer nächsten Umgebung und fühlt sich verlassen
und einsam. Um gesehen zu werden, bezahlt sie mit dem einzigen,
das sie zu besitzen glaubt - ihre Sexualität.
Augustas Haus ist eine Geschichte
von Trauer und Sexualität, von Ohnmacht und Rache,
von Geburt und Tod, von der Sehnsucht nach Liebe. Aber vor allem
ist es eine Geschichte über den Tod der Geschichten und
was mit uns passiert, sind wir gezwungen, ohne sie zu leben.
Stimmt es, was Augusta behauptete? Dass die Geschichten starben,
als die Fabriken geboren wurden?
Majgull Axelsson hat wieder mal einen scharfsinnigen
und fesselnden Roman geschrieben, der sich in einer sinnreichen
Konstruktion voran schlängelt, reich an Gedankenanstößen
und Ideen. Augustas Haus ist auch eine schwarze Sage, überdeutlich
manchmal die Erzählerstimme, doch immer wesentlich, manchmal
auch unbehaglich, stets unterirdisch und - Unwiderstehlich
wunderbar Majgull Axelsson-gleich!
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