 |
Unter gleichem Himmel - Ergreifend und verstörend
Cecilia ist 42 Jahre und Diplomatin.
Sie ist gerade von den Philippinen zurückgekehrt, wo sie
einen Vulkanausbruch nur knapp überlebt hat. Nun sitzt
sie selbst zwar physisch unversehrt, aber psychisch stark angeschlagen
am Sterbebett ihrer Mutter. Während sie die Mutter pflegt,
kommen die Erinnerungen an die "grauen" Tage zurück;
Erinnerungen an das namenlose Dorf, in das sie auf der Flucht
vor dem Vulkanausbruch zufällig mit ihrem Chauffeur Ricky,
dem Schweden Butterfield Berglund, dem Mädchen Dolly und
dem mysteriösen NogNog strandet. Es sind sehr quälende
Erinnerungen und die kühle Diplomatin Cecilia hat niemanden,
dem sie sich anvertrauen könnte.
Nicht nur der Vulkan brach aus und die Erde bebte; vielmehr
ist auch Cecilias Welt- und Selbstbild während dieser Tage
im ascheübersäten Dorf zu Staub zerfallen. Zudem bringt
die ganze Geschichte Cecilia dazu, an ihre Kindheit zu denken;
an ihre Jugendfreundin Marita und das Aufwachsen im neureichen
Bananenhaus in Nässjö - auch das qualvolle Erinnerungen.
Majgull Axelsson verwebt all das zu
einer spannenden, dichten und am Ende ziemlich schrecklichen
Geschichte. Sie wechselt dabei souverän zwischen den verschiedenen
Zeiten und Orten, vor und zurück, und ist gleichzeitig
schnörkellos, geradeaus und unbarmherzig direkt in ihrer
Sprache. Sie trifft ins Mark und erschüttert.
Das Bild, das sie von Cecilia zeichnet,
ist gespalten. Kühl, selbstsicher und beherrscht
ist sie nur oberflächlich betrachtet. Doch in ihrem Innern
brodelt tatsächlich auch ein kleiner Vulkan. Körperlichkeit
spielt dabei eine große Rolle in dem Roman und verleiht
ihm eine starke Authentizität und Gegenwart.
Schließlich gelingt es Cecilia,
sich an alle zu erinnern - doch zu welchem Preis? Die
große und starke Diplomatin Cecilia, die alles über
Macht, "Sprachregelung", Höflichkeitsfloskeln
und das richtige Benehmen weiß, schrumpft auf das bloß
körperlich Existenzielle zusammen und benötigt schließlich
selbst Hilfe. Endlich scheint es, als könne sie die ihr
angebotene Hilfe auch annehmen, doch da ist sie bereits schwer
verletzt - sowohl psychisch als auch rein physisch.
Majgull Axelsson lehrt uns viel in ihrem
Debütroman Unter gleichem Himmel - sowohl über
uns selbst, über die Menschen in den so genannten Entwicklungsländern
und über Macht und Ohnmacht. Unter gleichem Himmel ist
ein Roman, den man nicht aus dem Kopf kriegt; er brennt sich
fest und unauslöschlich auf die Netzhaut.
|
 |
|