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Die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen
Habermas
Der herrschaftsfreie Diskurs oder Dem
besseren Argument folgen
Jürgen Habermas' Verdienst ist es, die Kommunikationstheorie
mit einer Gesellschaftstheorie verbunden zu haben. Hier ist
Kommunikation nicht nur das Miteinander-Reden, sondern Kommunikation
fungiert als elementare Ressource zur (Weiter-)Entwicklung einer
Gesellschaft.
Dabei setzt er idealtypischerweise voraus, dass beide Kommunikatoren
in der Kommunikation verständigungsorientiert agieren,
d.h. kommunikatives Ziel ist, gegenseitiges Einverständnis
im Hinblick auf ein Handlungsziel oder eine Einstellung herbeizuführen.
Verständigungsorientiertes Handeln in der Kommunikation
unterscheidet sich nach Habermas dabei vom erfolgsorientierten
Handeln in der Kommunikation vor allem dadurch, dass die interagierenden
Personen ausschließlich legitime Mittel verwenden und
ohne taktisch motivierte Erfolgsorientierung aufeinander einwirken
wollen. Beim erfolgsorientierten kommunikativen Handeln dagegen
ist es stets Ziel, so Habermas, dass mindestens ein Aktant in
einer sozialen Situation auf einen oder mehrere andere Aktanten
derart Einfluss nimmt, dass er seineigenes Handlungsziel möglichst
optimal durchsetzt.
Verständigungsorientiertes kommunikatives Handeln nach
Habermas setzt daher voraus, dass Absichten offen gelegt werden
und auf Zwang verzichtet wird.
Kommunikatives Handeln setzt kommunikative
Kompetenz voraus
Neben einer linguistischen Kompetenz gehört für Habermas
vor allem auch die soziale Kompetenz zur kommunikativen Kompetenz.
Dazu benötigen wir neben einem hinreichenden semantischen
und grammatischen Wissen zur korrekten Verwendung sprachlicher
Ausdrücke und Sätze ein durch Sozialisation erworbenes
Wissen davon, wie wir Sätze richtig und angemessen in Redesituationen
verwenden.
Das beinhaltet auch, interpersonale Beziehungen wie Macht- und
Abhängigkeitsverhältnisse angemessen zum Ausdruck
bringen zu können oder im Hinblick auf Gefühle, Absichten
und Meinungen aufrichtig zu sein, damit die Gesprächspartner
dem Sprecher Glauben schenken (vgl. Habermas' so genannte Universalistische
Geltungsansprüche).
Treten Zweifel an den in der Rede geäußerten Geltungsansprüchen
auf, muss die Kommunikation selbst zum Thema gemacht werden.
Diese neue metakommunikative Ebene bezeichnet
Habermas mit dem Ausdruck Diskurs.
Im Diskurs sollen überzeugende Argumente formuliert werden,
die die Geltungsansprüche zurückweisen oder einlösen.
Im Diskurs sollen also Argumente zur Problemlösung formuliert
werden. Der Diskurs schließt die strategische oder erfolgsorientierte
Kommunikation prinzipiell aus. Dazu entwirft Habermas die
ideale Sprechsituation.
Dazu müssen die bisher unterstellten Geltungsansprüche
außer Kraft gesetzt werden, damit ohne Zwang oder systematische
Verzerrung kommuniziert werden kann. Die Diskursteilnehmer sollen
so dem "zwanglosen Zwang des besseren, weil einleuchtenderen
Argument" folgen.
Um frei von Zwängen kommunizieren zu können, muss
für alle Beteiligten eine gleiche Verteilung von Chancen
und Sprechakten gegeben sein.
Diskursziel ist also die zwangfreie Problematisierung und Klärung
von Geltungsansprüchen, mit dem Ziel für alle verbindliche
Handlungskonsequenzen aus dem Diskurs zu ziehen, also einen
wahren Konsens auf Grundlage gegenseitig einsehbarer und akzeptierter
Geltungsansprüche zu erzielen.
Der Diskurs nach Habermas stellt hohe Ansprüche an alle
Kommunikationsteilnehmer und es bleibt die Frage, wann, wo und
unter welchen Bedingungen überhaupt ein regelrechter oder
"wahrer" Diskurs möglich ist.
Literatur:
Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt/Main,
1984.
Jürgen Habermas, Vorbereitende Bemerkungen zu einer Theorie
der kommunikativen Kompetenz. In: ders./Luhmann, Niklas: Theorie
der Gesellschaft oder Sozialtechnologie, Frankfurt/Main, 1971.
Roland Burkart/Alfred Lang, Die Theorie des kommunikativen Handelns.
In: Burkart, Roland/Hömberg, Walter (Hrsg.): Kommunikationstheorien.
Wien, 1992.
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