PR im 19. Jahrhundert und heute

Industrialisierung als Geburtsstunde der PR
Der Beginn der PR wird heute von vielen Kommunikationswissenschaftlern, so z.B. Ronneberger/Rühl, ins Zeitalter der Industrialisierung datiert. Neue Produkte in Massenfertigung brauchen Bekanntheit und einen Wiedererkennungswert, damit der Verbraucher sie kauft; gleichzeitig verändert sich die Gesellschaft radikal. Auch das schafft ein größeres Informationsbedürfnis auf Seiten der Öffentlichkeit.

1816 gründet Friedrich der Große ein Literarisches Büro unter Führung von Karl August von Hardenberg, das für eine "geeignete Darstellung preußischer Belange" sorgen soll - die Nähe zur Propaganda und damit zur Manipulation ist damit immanent.

1893 richtet Alfred Krupp als Erster ein eigenes Pressebüro ein. Sein größter PR-Coup: die Präsentation des bis dato größten, in einem Stück gegossenen Stahlblocks auf der Londoner Weltausstellung.

Überhaupt ist die PR in dieser Zeit stark an Personen gebunden, so z.B. Bismarck oder Krupp. Die Beeinflussung der Öffentlichkeit im Sinne des Kommunikators war dabei oberstes Ziel.

PR zwischen den Kriegen
Die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen sind dann vor allem geprägt durch die Einrichtung von Presseabteilungen in Wirtschaftsunternehmen und im politischen Raum. Die Mitarbeiter der Pressestellen hatten es mit einer ökonomisch selbständigen und nicht mehr staatlich gegängelten Presse zu tun, was sich jedoch 1933 mit der Machtergreifung der Nazis wieder änderte.

PR zwischen den Fronten
Mit der Gleichschaltung der Medien wurde auch die PR mehr und mehr zur bloßen Propaganda. Die Pressearbeit war partei-ideologisch dominiert und sowohl die Journalisten als auch die Pressemitarbeiter unterlagen der staatlichen Lenkung, Zensur und Kontrolle.

PR im Wirtschaftswunder-Deutschland
Wie auch die (west-)deutsche Medienlandschaft nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Lizenzpresse der westlichen Besatzungsmächte USA, Frankreich und Großbritannien entstanden ist, so hat sich auch die PR nach anglo-amerikanischem Vorbild im Sinne einer demokratisch-freiheitlichen Staatsordnung entwickelt. Die Amerikaner schafften Pressestellen für die Länder, 1949 folgte das Presse- und Informationsamt der BRD (BPA).

Ging es dem BPA vor allem um den Imageaufbau der BRD, waren die neu eingerichteten Pressestellen in der Wirtschaft damit beschäftigt, das neue System und die erwachende Wirtschaftskraft der Öffentlichkeit zu kommunizieren und sich deutlich von Propaganda und Werbung abzusetzen.

Konsolidierung und Professionalisierung
Die Jahrzehnte nach den 50er-Jahre waren vor allem durch eine schnelle Entwicklung des Berufsfeldes, aber auch durch die Entstehung eines beruflichen Selbstbildes bestimmt. Maßgeblichen Anteil daran hat die DPRG, die Deutsche Public Relations Gesellschaft, die 1958 durch Albert Oeckl gegründet wurde. Seither informiert und unterstützt der Verband seine Mitglieder in berufsständischen Fragen und verpflichtet sie auf eine fachgerechte Berufsausübung. Die außer-akademische Aus- und Fortbildung nimmt in diesen Jahren stark zu.

In den 80er-Jahren dann boomt vor allem der PR-Agentursektor. Die Akademisierung und Professionalisierung sowie die Verwissenschaftlichung nimmt weiter stark zu. Es entwickelt sich eine PR-Wissenschaft. So wurde im Jahr 1993 als Folge der Ausdifferenzierung in der Kommunikations- und Medienwissenschaft und des PR-Booms an der Universität Leipzig der erste Lehrstuhl für Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations im deutschsprachigen Raum eingerichtet.

Daneben bietet beispielsweise das PR Kolleg Berlin PR-Abend- und Fernstudiengänge zur berufsbegleitenden Fortbildung an.